Interview - Musikerin Shunyatah beantwortet ein paar Fragen

Ich möchte diesmal jemand ganz besonderen Vorstellen. Eine junge Frau, die mit Ihren Songs viele Tabuthemen aufgreift und mit Ihnen den Nerv der jungen Menschen trifft. Sie singt über SVV, Depressionen und Suizid. Dabei "hilft" sie den betroffenen Jugendlichen, sich verstanden zu fühlen, aber auch sich selbst.

 

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Shunyatah bedanken, dass sie so kurzfristig zu diesem Interview zugesagt hat. Aber nun zu den Fragen...

 

 

Ich: Hi Shunyatah, danke, dass du zugesagt hast. Wie geht es Dir denn gerade?

Shunyatah: Momentan fühlt sich ganz Alltägliches sehr schwer für mich an. Meine Depression zeigt sich wieder an allen Fronten. Doch ich wäre nicht hier, wenn ich nicht wüsste, dass diese Tage auch wieder vorbei gehen und jedes Tief neue Erkenntnisse mit sich bringt oder ich zumindest daran wachsen, auch im Dunkeln Licht finden werde.

 

Ich: In deinen Liedern beschreibst du sehr konkret den Schmerz vieler Jugendlicher. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die beschriebenen Gefühle falsch sind. Hast du in der Vergangenheit etwas ähnliches erlebt? 

Shunyatah: Schmerz ist Teil des Lebens - vor allem in meiner Kindheit und Jugend - gewesen. Alles was ich schreibe ist autobiographisch oder hat autobiographische Züge. Alles was ich singe, habe ich selbst gedacht oder gefühlt… ich lebe und überlebe (über) meine Musik. Jeden Tag.

 

Ich: Was hat dich eigentlich dazu bewegt, über solche Tabuthemen zu singen?
Shunyatah: Damals hätte ich jemanden gebraucht, der mir zuhört. Aber diesen Menschen gab es nie. So wollte ich als Jugendliche immer jemanden finden, der mich versteht… Doch das gestaltete sich schwerer als gedacht. War aber ehrlich gesagt halb so schlimm, zumindest im Nachhinein. Ich habe Verständnis in mir selbst und meiner Musik gefunden. Später stießen immer mehr Menschen auf meine Musik, die sich von mir verstanden fühlten und das gab mir mehr, als es Verständnis (für mich) von außen jemals hätte geben können.

Ich: Das klingt sehr interessant. Was würdest du dir von den Medien bezüglich dieser Tabuthemen wünschen?
Shunyatah: Ich weiß gar nicht, ob es die Medien sind, von denen ich mir etwas wünsche, es sind viel mehr die Menschen an sich, denen ich ans Herz lege, sich zu hinterfragen, sich nicht ständig zu verurteilen und mehr Mitgefühl für sich und andere aufzubringen.

 

Ich: Wie fühlst du dich dabei, über diese Themen zu singen?
Shunyatah: Sie sind Teil meines Lebens und mit jedem Song lasse ich einen Teil von mir los und schaffe Platz für einen neuen Teil, den es zu halten oder verarbeiten gilt. Also kurz: Befreit.

Ich: Was bedeutet für dich absolutes Glück und Zufriedenheit?
Shunyatah: Die Zeit für mich selbst und mit meinen Liebsten ist mir heilig und bedeutet mir alles. Nichts macht mich zufriedener, als mein Umfeld lachend und glücklich zu sehen. Für jemanden wie mich ist Glück kein Zufall, sondern eine Einstellung, wenn nicht sogar eine Entscheidung und harte Arbeit an sich selbst. Deshalb werde ich immer alles dafür geben, mein Glück in die Herzen meiner Lieben zu tragen und Dankbar zu sein, für das was ich habe.

 

Ich: Bist du der Meinung, Aufklärung könnte für mehr Verständnis sorgen und warum?

Shunyatah: In extremen Situationen handelt man extrem. Und viele Menschen brauchen Verständnis… aber nicht für das was sie tun, sondern für das, was sie sind! Akzeptanz fängt immer bei einem selbst an. Akzeptanz und Mitgefühl, vor allem für sich selbst ist oft der Schlüssel für ALLES. Klar - Aufklärung hilft zu erahnen, warum Menschen sich selbst verletzen, oder Essstörungen entwickeln…. aber sie werden es niemals WIRKLICH verstehen oder nachfühlen können. Aber wie ich schon sagte: darum geht es nicht. Es geht viel mehr um den Menschen an sich, der sich allein mit all der Last fühlt, die auf ihm liegt.

Ich: Was ist deiner Meinung nach der Hauptauslöser für SVV, Depressionen und anderes bei Jugendlichen?
Shunyatah: Mangel an Selbstvertrauen, Vernachlässigung in der Kindheit, schwere Schicksalsschläge, Traumata jeglicher Art. 
Meiner Meinung nach sollte es einfach ein Schulfach geben, dass Selbstliebe beinhaltet, damit Kinder und Jugendliche trotz unterschiedlichster Umstände lernen können, gut zu sich zu sein und sich so zu akzeptieren, wie sie sind.
Ich: Vielen Dank Shunyatah für das wundervolle Interview.
Shunyatah: Als letztes möchte ich Allen, die sich durch ihre Diagnose/n verunsichert oder wertlos fühlen, noch etwas ans Herz legen:
Du bist nicht Deine Krankheit! Deine Krankheit ist nur EIN Teil von Dir!
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