verklemmtes Deutschland

Jeder hat es bestimmt schonmal bemerkt:

 

Im Kindergarten oder spätestens in der Grundschule wird einem die "perfekte Familie" vorgespielt. Mutter und Vater bekommen ein oder auch zwei Kinder (dazu gibt's evtl. noch Großeltern). Alle sind gesund, glücklich und haben ein unbeschwertes Leben. Irgendwann stirbt man ganz zufrieden Zuhause im Kreis der Familie. Man hat keine Sorgen. Schon gar nicht mit Geld oder psychischen Schwierigkeiten.

 

 

Merkt ihr was? Daran ist nicht ein Fetzen Wahrheit zu finden. Gut, schon möglich, dass Frau und Mann zueinander finden und eine Familie gründen werden, aber so einfach, wie einem das Leben im Kindesalter oder sogar im Teenager-Alter vorgegaukelt wird, ist es leider nicht. Man hat mit Druck der Schule zu kämpfen: "Werde ich den Abschluss schaffen?" oder "Meine Noten müssen unbedingt stimmen!". Aber auch der Druck der Gesellschaft lastet auf unseren Schultern: "Ich muss dringend das neueste Handy haben, sonst bin ich out!" oder "Ich brauche dringend diese Jeans! Die ist ja grad so in Mode!". Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft immer rasanter wird. Es wird immer schneller, immer stressiger. Stress kann auf Dauer auch krank machen. Das fängt vllt. mit Übermüdung an und endet (natürlich nur im Worst-Case) in Depressionen.

 

Das deutsche Bildungssystem weißt hier einen gewaltigen Nachholbedarf auf. Man lernt im Unterricht Dinge wie den "Satz des Pythagoras" oder die "Binomischen Formeln". Aber auch Dinge wie die vier Fälle beim lateinischen Namen (Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ); auch das Tastschreiben (also das Tippen am Computer mit allen zehn Fingern) oder die 50 Staaten der USA beim Namen inkl. Hauptstädte gehört dazu. Es lässt sich natürlich nicht bestreiten, dass solche Dinge zu einem gut gepflegten Allgemeinwissen gehören sollten, aber es wirklich wichtigere Dinge im Leben gibt, die einem Schüler gelehrt werden sollten - nämlich der Umgang mit Druck und der Umgang mit psychischen Belastungen (evtl. auch Stressbewältigung).

 

Soetwas lehrt keine gewöhnliche Schule, zumal man hierfür wirklich Psychologen bräuchte, um es einigermaßen korrekt unterrichten zu können. Doch für die Schüler könnte dies ein sehr wertvoller Schatz sein, denn immer mehr Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren haben mit psychischen Problemen zu kämpfen. Über 30% der Betroffenen wissen es nicht einmal. Mit solchem Unterricht könnte hier aufgeklärt werden; quasi ähnlich dem Sexualunterricht (verzeiht mir Leute, das musste raus😆). Mit der Aufklärung wird den Menschen auch die Angst genommen, darüber zu sprechen oder Hilfe zu holen. Das ist leider nach wie vor ein Problem, da über Themen wie SVV oder Depressionen in der Öffentlichkeit nur wenig bis gar nicht geredet wird.  Menschen wissen sich nicht zu helfen, wenn sie einen Betroffenen im Bekannten- oder Familienkreis haben und reagieren dadurch sehr oft falsch - mit Verständnislosigkeit.

 

Man könnte auch früher erkennen, wenn es Freunden, Verwandten oder geliebten Menschen seelisch nicht gut geht und man könnte besser und vor allem schneller helfen. Meiner persönlichen Meinung nach ist dies ein weitaus wertvollerer Stoff für Unterricht, als "Binomische Formeln" oder die Berechnung von Pi.

 

Des Weiteren können einem im Leben auch Schicksalsschläge die Suppe versalzen (gut, der eine Mensch verkraftet sowas besser, der andere weniger gut - das kommt natürlich auch wieder auf den einzelnen Menschen an). Dadurch können ebenfalls seelische Probleme entstehen. Auch hier könnte durch solchen Unterricht Abhilfe geschaffen werden, um vermehrten psychischen Belastungen auf Dauer vorzubeugen bzw. schneller helfen zu können und "wirklich" helfen zu können. Denn das Problem vieler Menschen ist folgendes: "Wie reagiere ich auf die Situation, wenn es einem Freund/Verwandten etc. seelisch schlecht geht?". Auch hier könnte mit solchem Unterricht geholfen werden, dass das Umfeld evtl. Betroffener darüber aufgeklärt ist und selbst besser damit umgehen kann, falls es leider dennoch zu einem Suizidfall o.ä. kommen sollte (was ich wirklich hoffe, was nicht passiert).

 

Viele Menschen wissen nicht einmal, was psychische Belastung konkret ist. Ja, dazu zählt auch Stress, aber das ist (je nach Form natürlich) eine geringere Belastung. Zu den höheren Belastungen würde ich den Leistungs- und gesellschaftlichen Druck bzw. Schicksalsschläge (wie Tod eines geliebten Menschen/eines Verwandten, Unfall o. a.) zählen. Natürlich können auch die Mitmenschen von Betroffenen darunter leiden und psychisch erkranken (alles nachzulesen im Internet).

 

Was viele nicht wissen ist, dass die meisten Psychologen oder Psychotherapeuten selbst mit solchen Problemen zu kämpfen haben. Jetzt fragt man sich natürlich, was hat das denn damit zu tun, denn schließlich ist der ja dazu da (quasi ugs. Seelenklempner). Man muss leider sagen, eben darum haben solche Menschen ebenfalls dami zu kämpfen. Das soll natürlich jetzt nicht abschrecken, zu einem Psychologen/Psychotherapeuten zu gehen und Hilfe zu suchen, aber das kann, wenn der Charakter des Behandelnden nicht stark genug ist, wirklich passieren.

 

Ich bitte euch dennoch, wenn ihr in einer solchen Situation seid, holt euch Hilfe. Es gibt so viele Anlaufstellen in Deutschland, wie in fast keinem anderen, europäischen Land. Man braucht sich dafür auch nicht zu schämen. Es ist eher ein Zeichen davon, dass dir deine Gesundheit sehr am Herzen liegt und du wirklich dazu bereit bist, gegen die Depression (oder je nachdem, was du hast) anzukämpfen, um letztendlich ein besseres Leben zu haben.


Ich hoffe, ich konnte euch meine Meinung etwas näher bringen, da ich dieses Thema für sehr brisant und aktueller denn je betrachte. Denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass jeder Mensch anders damit umgeht und dass selbst die besten Lehrer/Pädagogen meist nicht mehr weiterwissen. Dieser Blog sollte auch zum Diskutieren auf anderen Plattformen anregen. Vllt wird sich ja wirklich was ändern... Hoffen kann man immer. In diesem Sinne, bis bald!

Kommentare: 1
  • #1

    Kirk123 (Donnerstag, 07 November 2019 10:40)

    Loooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooool