Meine erste Erfahrung

Nunja, das ist mein erster Eintrag... Wie fange ich denn am besten an? Am besten fange ich ganz von vorne an...

 

Ich war eigentlich eher der Außenseiter in der Schule, aber habe mich auch oft nicht gut benommen. Ich wurde oft gehänselt aber nie geschlagen. Meinen "sozialen Teifpunkt" hatte ich in der 7. Klasse. Ich wäre fast sitzen geblieben, weil ich nur Mist gemacht habe in der Schule:

  • Unterricht gestört
  • Nie mitgemacht
  • Gemacht, was ich wollte
  • etc.

Tja, das ging so weit, dass ich wirklich fast sitzen geblieben wäre. Ab der 8. allerdings wurde es besser. Einige versuchten sich mit mir anzufreunden. Ich ergriff die Chance und kam auch entgegen, was mir viel geholfen hatte. Zum Ende der 10. Klasse war ich gut im Unterricht (habe die Schule recht gut abgeschlossen) und hatte einige Freunde. Für mich hat sich das super angefühlt. Aber es sollte schnell wieder bergab gehen.

 

Ich begann nun meine Ausbildung bei einem angesehenen Unternehmen im IT-Bereich. Es hat mir Spaß gemacht, aber ich hatte mich sozial etwas zu anders verhalten und ich wäre fast gekündigt worden. Leider hat zu Beginn meiner Ausbildung meine Mom versucht sich das Leben zu nehmen, was mir zusätzliche Belastungen aufgegeben hat, neben meiner frischen Ausbildung. Sie hat es gottseidank nicht geschafft und lebt noch. Doch das ist erst der Anfang des Ganzen.

 

Ich wurde im privaten Umfeld nicht gut behandelt. Lediglich von meinem Vater wurde ich nicht gut behandelt. Das ging schon solange ich überhaupt denken kann. Sein Methoden überschritten oft die Grenze des legalen Handelns, um es etwas sanft zu formulieren. Das hat mich nicht wirklich mitgenommen. Doch Anfang 2019, meinem totalen Unglücksjahr, hat er begonnen, mich zu ignorieren. Das hat mich mit der Zeit immer mehr kaputt gemacht, da auch meine Mom es nicht wirklich leicht im Leben hatte.

 

Ihr denkt jetzt bestimmt, wir hatten finanzielle Sorgen. Da seid Ihr aber auf dem Holzweg. Wir hatten verdammt viel Geld. Wir hatten ein Haus gebaut und 2 Autos zu je 20.000€ in der Garage stehen. Aber mein alter Herr wurde mit der Zeit dadurch immer geiziger. Ende April habe ich begonnen, mir selbst was anzutun. Ich griff zur Klinge, da ich den Druck nicht mehr ausgehalten habe. JA, ich habe die Klinge benutzt. Anfangs nur harmlos, aber als ich langsam nichts mehr spürte, musste ich an den Beinen weitermachen, da es warm wurde und ich T-Shirts tragen sollte, um nicht aufzufallen.

 

Ich spürte irgendwann fast nichts mehr beim Ritzen. Selbst während der Arbeit/Berufsschule musste ich es tun, um dem Druck standzuhalten. Meine Kollegen haben es anscheinend gemerkt, dass was nicht stimmt, da meine Chefs mich mal darauf angesprochen haben. Ich habe es immer geleugnet und irgendwann habe ich stille Hilferufe gelegt. Ich habe die blutigen Klingen in die Toilette geworfen, nachdem ich es getan hatte. Wenn ich allerdings zur Klinge griff, erwischte ich mich immer öfter mit einem erleichternden Lächeln auf den Lippen. Wie ein Alkoholiker, der nach mehreren Tagen endlich wieder sein Bier bekommt und danach lächzt und anschließend sich freut und entspannt, da seine Sucht nun getilgt ist - vorerst. So läuft das beim Ritzen. Es ist wirklich eine Sucht, die sogar medizinisch belegt und anerkannt ist.

 

Ich konnte aber langsam nicht mehr. Ich habe darum Ende Juni versucht, mich zweimal  für immer zum Schlafen zu bewegen. Hat nicht geklappt. Ich wurde immer trauriger und depressiver. Hatte kaum Motivation zu irgendwas und gelacht habe ich nur noch selten. Es ging sogar so weit, dass ich nur noch depressive Lieder gehört habe, die ich nicht weiter erläutere, da die wirklich triggern können.

 

Aber mein 19. Geburtstag war der schlimmste aller Zeiten (aus heutiger Sicht)...

Ich bekam keine Geschenke (was mich nicht wirklich gestört hätte). Keine Glückwünsche. Nur einen kleinen, aber schönen Blumenstrauß, eine Tiefkühltorte von "Copenrath & Wiese" (hoffentlich richtig geschrieben) und ein verdammt schlechtes Ständchen. An diesem Punkt hatte ich mir gesagt "Okay, jetzt reicht's." Ich hatte angefangen zu planen, von Zuhause wegzulaufen. Ich hab's wirklich nicht mehr ausgehalten.

 

An meinem Geburtstag habe ich dann heimlich freigenommen und bin heimlich nach Augsburg gefahren und war für 300€ shoppen. Das war das erste Schöne, seit Beginn meiner Ausbildung. Bis heute hat das zum Glück keiner herausgefunden aus meiner Familie. Mein Dad hätte mir die Hölle auf Erden gebracht.

 

Dann, 5 Tage nach meinem Geburtstag, habe ich spontan entschieden, wegzulaufen. Zuerst wollte ich mit dem Fahrrad von meinem Dad wegfahren, hatte aber die Schlüssel nicht dabei für das Gartenhaus, in dem das Fahrrad stand. Drum bin ich dann doch zu Fuß los. Um 23:46 Uhr bin ich los. Bin 17km zu Fuß mit Lackschuhen und einem vollgepackten, schweren Rucksack auf dem Rücken zur nächsten Polizeistation gelaufen. Ich hatte wieder Gedanken, alles zu beenden.

 

Ich ging also doch zum Bahnhof, da ich keinen Sinn mehr sah. Ich ging zum Fahrplan und hoffte, ein Zug würde demnächst kommen...

 

(Fortsetzung folgt)

Kommentare: 3
  • #3

    Administrator (Mittwoch, 06 November 2019 11:02)

    Hi Anonymous,

    Danke für deinen Kommentar. Um deine Frage zu beantworten:
    Ich hatte Freunde, die mir den Rat schon viel früher gegeben haben, von Zuhause wegzugehen. Ich solle so schnell wie möglich von da weg. Es haben mich auch einige verstanden, aber die meisten haben erst so richtig geholfen, als ich schon von Zuhause weg war und wirklich Hilfe brauchte. Und dafür bin ich denen allen wirklich bis auf ewig dankbar.

    Naja, ich hoffe, ich hab deine Frage beantwortet. Falls nicht, kannst du mich gerne anschreiben oder mir eine Mail schreiben. Wünsche dir noch einen schönen Tag ��.

    MfG
    Administrator�

  • #2

    Anonymous (Dienstag, 05 November 2019 19:40)

    Hey, Das klingt echt toll und sowas. Aber Hat dich keiner von Deinen Freunden dabei Unterstützt oder dir Rat gegeben? Es muss ja wenigstens Eine/n Gegeben haben der dich sogar verstanden hatte?

  • #1

    Brownie (Montag, 21 Oktober 2019 15:26)

    Hallo, deine Geschichte ist nicht sehr weit entfernt von meiner, mein Vater Alkoholiker und meine Mutter alleinerziehend, krebskrank und nicht in der Lage eine Tochter geschweige denn einen Sohn zu erziehen, ritzen heiß mir nicht also kritisch zur Schere und schnitt meine Haare immer wieder! Auch heute noch! Selbst in der Klinik wurde mir nicht geholfen denn mobbing begleitete mich den ganzen Klinikaufenthalt und das macht es schlimmer!